Freiwillige Feuerwehr Kemnath

“Boot meets Bahngleis”

Zur Rettung mit dem Boot aufs Gleis - Feuerwehr Kemnath rüstet für Zugunfälle auf

Ob zur Rettung aus dem Wasser oder von im Eis eingebrochenen Personen und zur Evakuierung aus überfluteten Straßenzügen: Mit dem Rettungsboot der Kemnather Wehr lässt sich vieles ermöglichen. Nun ist das Boot auch für den Einsatz auf der Schiene gerüstet.

Seit fast fünf Jahren beherbergt die Freiwillige Feuerwehr Kemnath ein Rettungsboot in ihrem Fuhrpark. Möglich machte die Anschaffung im Jahre 2013 eine Förderung des Katastrophenschutzes. Bereits mehrmals ist das Boot in den vergangenen Jahren durch die Floriansjünger bei Übungen "zu Wasser gelassen". Auch zu Einsätzen, unter anderem zum Umweltschutz bei "Öl auf Gewässer, aber auch zu Menschen- und Tierrettungen, wurde das sogenannte Rettungs- und Flachwasserschubboot bereits angefordert.

Durch die massive Bauweise aus Aluminium und großen Auftriebskörper ist das Rettungsboot für eine Besetzung mit sechs Personen ausgelegt. Im Regelfall sind vier Vollgummireifen an dem Boot montiert, weshalb es sehr leicht von dem Bootstrailer gezogen, über geschotterte Flächen und befestigte Wege, aber auch Wiesen geschoben und dann schnell zu Wasser gelassen werden kann. Gedacht sind die angebrachten Räder, um im Falle einer Evakuierung aus überfluteten Gebieten auch in höher gelegenen Straßen- und Wegebereichen das Boot bewegen zu können. Während in überfluteten Gebieten hauptsächlich die Paddel zum Einsatz kommen, so hält die Feuerwehr Kemnath zudem einen motorisierten Bootsmotor für ihr "RTB 1" vor.

Nun beschaffte der Landkreis Tirschenreuth vor einigen Wochen für das Rettungsboot der Kemnather Wehr sogenannte "Spurkranzräder". Jüngst brachte die Gerätewarte den Umbausatz am Rettungsboot an, so dass nun das Wechseln von Vollgummirädern auf die Spurkranzräder in kürzester Zeit durchgeführt werden kann. Auch beinhaltet der Umbausatz zwei Aufnahmen, um Krankentragen auf dem Bootsreling fixieren zu können.

Bei der letzten Übung der Kemnather Brandschützer ging es dann aufs Bahngleis. Hierfür hatten die Verantwortlichen der Kemnather Wehr mit den Ansprechpartnern der Deutschen Bahn Kontakt aufgenommen und die Genehmigung für die Übung eingeholt. Das "Team Technische Hilfeleistung" um Peter Wolf, Peter Kreuzer, Marco Schäffler und Daniel Merkl hatte sich im Vorfeld dazu umfangreich mit dem Einsatz des Rettungsbootes auf der Schiene befasst.

Binnen weniger als zwei Minuten hatten die Feuerwehrleute das Rettungsboot als Schienenfahrzeug umgebaut. Das rund 120 Kilogramm schwere Universal-Boot wurde dann durch sechs Brandschützer auf die Bahnschienen gehoben und "eingegleist". "Ich habe schon viele

Möglichkeiten und Gerätschaften gesehen. Von dieser Variante habe ich vorher noch nichts gehört. Überzeugt bin ich davon aber nun trotzdem sehr stark", meinte der zuständige Notfallmanager der Deutschen Bahn, welcher mit großem Interesse die Übung begleitete und am gleichen Tage einige Stunden davor die Evakuierung eines Personenzuges, welcher wegen eines Defekts in einem Tunnel bei Velden liegen blieb, betreute.

Wie die Übungsfahrten mit dem Rettungsboot auf der Gleisanlage bei Speichersdorf zeigten, so lässt sich das Boot, auch vollgepackt mit Mannschaft und Ausrüstung, leicht auf den Gleisen dem Bahnkörper entlang schieben. "Zwar hoffe man, dass es zu einem solchen Ernstfall nie komme, dennoch sei man für den Fall der Fälle nun besser gerüstet und die Mannschaft geübt.", meinte Kommandant Denz abschließend.

Bereits mehrfach nahmen einige Kemnather Feuerwehrleute an Fachvorträgen teil, bei welchen auch über das Zugunglück bei Bad Aibling referiert wurde. Hierbei wurde deutlich, dass ein solches Einsatzgerät die Arbeit enorm erleichtete. Besonders dann, wenn Rettungsgeräte an die Unglücksstelle gebracht, oder aber auch Verletzte über mehrere Kilometer hinweg entlang der Bahnschiene abtransportiert werden müssen, da die Zufahrt von Rettungs- und Einsatzfahrzeug aufgrund der geologischen Lage teilweise nicht möglich sei. Er dankte zum Abschluss der Übung der Mannschaft der Kemnather Wehr, sowie den Aktiven der Feuerwehr Kötzersdorf für die rege Teilnahme an der Ausbildung.

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